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Südwestpresse zum Sommerkonzert 2016

NWO in der Stadthalle

VON SUSANNE ECKSTEIN

 

Das „allerjüngste Reutlinger Sinfonieorchester“ lud zum Sommerkonzert: Unter Maria Eiche spielte das NWO so engagiert, dass zwei Zugaben fällig waren.

Bei diesem Programm mit Werken von Mozart, Respighi, Hindemith und Dvorák muss man sich erneut klar machen, dass im Nachwuchsorchester der Jungen Sinfonie (NWO) Schüler, ja Kinder, musizieren. Einige saßen mit ihrem Instrument wohl zum ersten Mal vor zahlreichem Publikum auf der Bühne im großen Saal der Stadthalle.

Rekordverdächtig war auch die Besetzung: 74 Stühle wurden gebraucht, allein die Streichersektion zählt derzeit etwa 60 Köpfe. Das spricht für Vertrauen seitens der Eltern und Instrumentallehrer; Orchesterleiterin Maria Eiche richtete ausdrücklich ihren Dank an sie, zudem an die Guthörle-Stiftung und die Gesellschaft der Musikfreunde Reutlingen, die dieses Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert.

Maria Eiche ist noch kein Jahr am Pult und hat die Truppe aus Zwölf- bis Neunzehnjährigen mit ihrem knappen und pointierten Dirigat gut im Griff. Von Anfang bis Ende herrschte höchste Konzentration, die Spieler waren ganz Auge und Ohr für die Musik und ihr Zusammenspiel. Zunächst für die Ouvertüre zu dem Singspiel „Der Schauspieldirektor“ von Wolfgang Amadeus Mozart; erstaunlich leicht und elegant wurde sie umgesetzt.

Es folgten Streicherstücke aus Ottorino Respighis dritter Suite der „Antiche Danze“. Durchsichtig und leichtfüßig wie auf Zehenspitzen die „Italiana“, sanglich die „Siciliana“ – beide auf leise Art beeindruckend in der akkuraten, sensiblen Ausführung und ihrer noblen Nostalgie.

Der angebliche Bürgerschreck Paul Hindemith hat 1922 – man glaubt es kaum – ein Weihnachtsmärchen namens „Tuttifäntchen“ komponiert. Darin erwachen Holzpuppen zum Leben und tanzen zu Ragtime-Musik. Dieser „Tanz der Holzpuppen“ führte das mit Mozart angeschnittene Thema Bühne weiter, in diesem Fall als etwas brav, doch sauber musizierte Tanzmusik. Besonderes Lob verdienen die sechs Solobläser, die klangschön zur großen Streichersektion kontrastierten.

Mit Antonin Dvoráks sogenannter „amerikanischer“ Suite op. 98b (nicht 89) ging Maria Eiche samt ihrem teilweise frisch besetzten Jugendsinfonieorchester ein gewisses Risiko ein. Für die Neulinge ist das kleine Schwesterwerk zur Sinfonie „Aus der Neuen Welt“ fast zu schwer. „Aber es macht ihnen Spaß“, betonte die Orchesterleiterin in der Pause, „und das zählt.“

In den Anfangstakten weckt die ungenau gestimmte Bläserintonation gewisse Befürchtungen – doch das gibt sich, die jungen Musiker(innen) hören gut hin und passen sich an. Zwar merkt man, dass die sinfonischen Sätze viel Arbeit gekostet haben, doch gerade das behutsame Herantasten und Hineinhören in die Strukturen lässt das Ohr eher am Innenleben der Musik teilhaben als eine routinierte Profi-Aufführung.

Zunehmend kommt das Spiel in Fluss; die rasch wechselnden Tanzrhythmen im dritten Satz („alla Polacca“) machen dem Orchester hörbar Spaß, im folgenden Andante kommt Lust an der klanglichen Differenzierung auf, ausdrucksvolle Oboensoli fordern eine entsprechende Tutti-Antwort. Der flotte Kehraus-Finalsatz hält zwar Gefahrenmomente bereit, wird aber mit viel Energie und opulentem Orchestersound gemeistert.

Eigentlich hatte das NWO ein größeres Programm mit einer Solistin geplant; diese war jedoch mitsamt Ersatz ausgefallen, so dass am Ende Zeit blieb für zwei Zugaben, die – gelöst und spielfreudig – dem anhaltenden Beifall des Publikums Rechnung trugen. (SWP)

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Sommerkonzert 2016 - Plakat

Plakat - Sommerkonzert 2016 am 17.07.2016 um 19:00
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Sommerkonzert 2015

Sommerkonzert am Sontag den 17. Juli 2016 um 19:00

Stadthalle Reutlingen - Großer Saal

Programm:

Wolfgang Amadeus Mozart

                Ouvertüre zur Oper "Der Schauspieldirektor"

Ottorino Respighi

                Italiana und Siziliana aus "Antiche Danze" Suite Nr. 3

Paul Hindemith

                Tanz der Holzpuppen

Antonín Dvořák

                Amerikanische Suite op. 89 b

Leitung

Maria Eiche

Eintritt frei!

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Südwestpresse zum Herbstkonzert 2015

Ein roter Taktstock für die Neue

VON SUSANNE ECKSTEIN

 

Ein großer Erfolg war das Herbstkonzert des Nachwuchsorchester (NWO) der Jungen Sinfonie unter der neuen Orchesterleiterin Maria Eiche.

Es ist ein Phänomen: Das Nachwuchsorchester der Jungen Sinfonie mit seinem steten Erneuerungsprozess. Derzeit verzeichnet es einen rekordverdächtigen Zulauf, Wartelisten mussten her, und die Orchester zählen (je nach Besetzung) über 60 Köpfe.

In dieser Situation mit zahlreichen "Neuen" den Dirigentenstab zu übernehmen, dürfte für die neue Orchesterleiterin Maria Eiche nicht einfach gewesen sein. Auch das Herbstkonzert-Publikum war bemerkenswert, der große Saal der Stadthalle war - bei freiem Eintritt gegen Spende - randvoll mit Familien und Freunden quer durch alle Altersklassen, Babies inklusive. An einem Musiker-Vater sollen gar rote Socken in der NWO-Farbe gesichtet worden sein. Und alle waren voll dabei, niemand klatschte an der falschen Stelle.

Den Anfang machten nach einer kurzen Ansage von Dirigentin Maria Eiche die Streicher. Nicht nur kopfzahlmäßig stark, sondern auch technisch-musikalisch: Tschaikowskis "Elegie für Streicher", 1884 als Dankesgruß an einen verdienten Schauspieler komponiert, musizierten sie mustergültig, mit einem Auge auf das klare und differenzierte Dirigat und einem wachen Ohr für Zusammenspiel, Feinabstimmung, Klang- und Ausdrucksnuancen; die Melodie wurde wie ein Juwel auf Watte getragen.

Nicht im Programm verzeichnet waren die Überraschungen, für die die Junge Sinfonie samt NWO berühmt-berüchtigt ist. Die erste bestand in der nachträglichen Verabschiedung des bisherigen Dirigenten Konrad Heinz, nicht nur mit der NWO-obligatorischen Rose, sondern auch einem gemeinsamen Kanon: "Lieber Konz" (nach Mozart); der ganze Saal sang mit.

Als Gast-Solistin am Flügel war Isabelle Haas dabei, Schülerin der Reutlinger Pianistin Angela-Charlott Linckelmann (ehemals Bieber) und Junge-Sinfonie-Geigerin(!). Ihr gelang eine einfühlsame und klangschöne Interpretation von Robert Schumanns "Introduktion und Allegro appassionato op. 92", einem kleinen Schwesterwerk des romantischen a-Moll-Klavierkonzerts. Hätte sie vielleicht mehr Dominanz und Kante zeigen sollen? Dadurch, dass sie sich (wie von Schumann komponiert) eng ins Orchesterspiel einbinden ließ, wurde ihre poetische Virtuosität streckenweise von dem weniger nuanciert aufspielenden Orchester überdeckt.

Doch man bedenke: Die Besetzung ist quasi neu und muss sich erst noch einspielen. Vor allem die Holzbläser haben noch an der Intonation zu feilen. Hat dafür die Zeit gefehlt? In Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 1 C-Dur, die den zweiten Teil des Konzerts bildete, fielen sie durch ungleiche Tonhöhen auf.

Die Bläser brauchen wohl generell noch Zuwendung, abgesehen von den beiden Trompetern, die ihre Sache hervorragend machten. Ansonsten war ein so stil- wie schwungvoller Beethoven zu erleben, von dem groß besetzten Klangkörper mit disziplinierter Begeisterung durchlebt, von Maria Eiche taktfest inspiriert und zusammengehalten. Den unvermeidlichen Schwierigkeiten wurde mit dem Geist des Aufbruchs, der der Partitur innewohnt, und frisch voran getriebener Bewegung mutig die Stirn geboten, vom Publikum am Ende mit Jubel quittiert. Nach Maria Eiches Dankesworten war längst nicht Schluss. Als weitere Überraschung trat nochmals Konrad Heinz auf die Bühne und überreichte ihr - was es nicht alles gibt! - einen Taktstock in leuchtendem NWO-Rot. Damit ließen sich gleich die zwei begeistert erklatschten (und gesungenen) Zugaben dirigieren. . . (SWP)

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Reutlinger Generalanzeiger zum Herbstkonzert 2015

Heiteres und Dramatisches

VON HEIKO REHMANN

 

REUTLINGEN. Triller und Tremolo, sanfte Streicher-, wilde Bläserklänge: Am Sonntagabend gab das Nachwuchsorchester der Jungen Sinfonie Reutlingen sein Herbstkonzert in der Stadthalle. Zugleich war es das erste Konzert unter der Leitung der jungen Schulmusikstudentin Maria Eiche. Sie hat im September ihren Vorgänger Konrad Heinz abgelöst.

Sanft schwebend steigen die Violinen in Pjotr Iljitsch Tschaikowskis »Elegie für Streicher in G-Dur« ein, begleitet von einem dynamischen Pizzicato der Celli. Dann hebt das Werk zu einem dramatischen Donnergrollen an, dem in der Interpretation der rund 70 Musiker im Alter von 12 bis 19 Jahren noch ein wenig der Schwung fehlt.

Mit umso mehr Schwung holen sie dafür die im Sommer versäumte Verabschiedung ihres bisherigen Dirigenten Konrad Heinz nach, der als frisch eingestellter Musiklehrer und Familienvater nun keine Zeit mehr für das Nachwuchsorchester hat. Eine Rose bekommt er überreicht, und weil er Großes geleistet hat, ist sie auch ganz besonders groß. Dann singt das Orchester gemeinsam mit dem Publikum eine Neufassung des bekannten Mozart-Kanons »Bona Nox«: »Lieber Konz! Wir bedanken uns! War ne coole Zeit, doch jetzt ist’s vorbei, Oh Nein! Ha’m geschwitzt, viel gelacht, und dich zur Verzweiflung gebracht. Heute Nacht singen wir dies Lied für dich, dass es kracht! Bleib gesund und werd nicht kugelrund!« Während Seifenblasen aus dem Orchester aufsteigen, sitzt der Ehemalige gerührt auf dem Dirigentenpult.
 

Unter neuer Leitung

Dieses hat nun Maria Eiche inne, die in Stuttgart Schulmusik studiert und seit dem Jahr 2008 Mitglied der Jungen Sinfonie ist. Für ihre neue Aufgabe hat sie sich vorgenommen, »dass die Jugendlichen Spaß am Spielen haben, dass sie mit Leidenschaft spielen«. Fehler zu vermeiden gehöre nicht um jeden Preis dazu. Dass sie damit auf dem richtigen Weg ist, zeigt sich an der Spielfreude der jungen Musiker im Konzert.

In Schumanns »Introduktion und Allegro appassionato« op. 92 tritt die junge Reutlinger Pianistin und Jugend-musiziert-Preisträgerin Isabelle Haas als Solistin auf. Mit ihrem weichen Anschlag und dem geschmeidigen Lauf ihrer Finger überzeugt sie von Anfang an. Ihr fehlerfreies Spiel harmoniert perfekt mit dem Orchester. Wie Rede und Gegenrede sind die Einsätze aufeinander abgestimmt. Wenn sich bei den Bläsern gelegentlich ein paar falsche Töne einschleichen, stört dies den Fluss des Stückes überhaupt nicht, womit sich zeigt, dass Maria Eiche völlig recht hat, wenn sie Spielfreude über Perfektion stellt.
 

Beethoven mit Schwung

Mit Beethovens erster Sinfonie steht ein selten gespieltes Frühwerk auf dem Programm – mit seiner an Mozart erinnernden Heiterkeit ist es gut geeignet für die jungen Künstler.

Die Musiker steigen zunächst noch etwas verhalten in die heiteren Melodiebögen des ersten Satzes ein, steigern sich dann aber zu beachtlichem Schwung. Schließlich gelingt ihnen ein schönes Wechselspiel zwischen Streichern und Bläsern, das sich zu einem kräftigen Schlussakkord steigert. (GEA)

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