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Reutlinger Generalanzeiger zum Sommerkonzert 2016

Tapsig und leichtfüßig

VON CHRISTOPH B. STRÖHLE

 

Das Reutlinger Nachwuchsorchester mit Werken von Mozart, Respighi und Hindemith in der Stadthalle

REUTLINGEN. Maria Eiches Wunsch ist in Erfüllung gegangen. »Dass Sie auf dem Nachhauseweg ganz viele Ohrwürmer aus unserem Konzert nachsingen können«, hatte die Leiterin des Reutlinger Nachwuchsorchesters (NWO) am Sonntagabend zu Beginn des Sommerkonzerts in der Reutlinger Stadthalle als Erwartung skizziert. In der Pause und nach der zweiten Zugabe hörte man vor allem ein Motiv, das gesummt und gepfiffen wurde: eine Melodie aus dem »Tanz der Holzpuppen« von Paul Hindemith, den das Orchester gleich zweimal gespielt hatte.

Ausgerechnet Hindemith, der vielen als sperriger Neutöner gilt! In seinem »Tuttifäntchen«, aus dem der Tanz der Holzpuppen stammt, zeigt sich der Komponist von einer anderen Seite und lässt die Figuren fröhlich Foxtrott und Ragtime tanzen. Das Schwerfällig-Tapsige übernahmen die Kontrabässe, während sich die übrigen Streicher und die Holzbläser auf dem schmalen Grad zwischen trubeliger Jahrmarktsatmosphäre und entspanntem Caféhaus-Flair bewegten. Das Tempo war eher ruhig gewählt, was der Darbietung aber nichts von ihrer erfrischenden Wirkung nahm.

Beschwingt mit Wolfgang Amadeus Mozarts Ouvertüre zum Singspiel »Der Schauspieldirektor« hatte der Abend begonnen, der eigentlich unter dem Motto »Gesang, Tanz und Bühne« stehen sollte, wie Maria Eiche in ihrer kurzen Einführung vorausschickte. Nachdem sich die Suche nach einer Gesangssolistin schwierig gestaltete, entschied man sich für ein leicht abgespecktes Programm. Gesungen wurde dann eben in der Pause und nach dem Konzert – von den Zuhörern, die zahlreich in die Stadthalle gekommen waren.

Leichtfüßig kam die Mozart-Ouvertüre mit ihrem fanfarenartigen Hauptthema daher. Die Jungmusiker spielten das Werk mit feiner Dynamik, setzten auf Durchsichtigkeit, Kontur und Farbe, wobei ihnen auch die Abschattierungen vor dem festlichen Finale gut gelangen.

Fließend und aufblühend

Mit Ottorino Respighis Italiana und Siziliana aus »Antiche Danze« (Suite Nr. 3) setzte das NWO auf Tonstücke des 16. Jahrhunderts, ursprünglich für Laute geschrieben und von Respighi in zeitlos anmutigem Stil orchestriert. Es war ein Genuss, den Streichern bei diesen melodischen Tänzen zuzuhören. Wunderbar fließend und aufblühend klang das beim ersten Stück, verinnerlicht und von einer rasanten Talfahrt im Cello durchzogen beim zweiten.

Nach der Pause war dann Antonín Dvoráks Amerikanische Suite op. 89b zu hören. Fünf Sätze mit jeweils ganz eigenem Charakter, den das Orchester unter Maria Eiches präziser Leitung wunderbar gestaltete. Wilde Rhythmen, lyrische Weisen im raschen Wechsel. Da fehlte es nicht an romantischem Schmelz, weit ausholenden musikalischen Bögen, munterer Quirlig- und satter Festlichkeit. Das Blech, das eingangs etwas dick aufgetragen hatte, verabschiedete sich im fünften Satz klangprächtig mit einer Fanfare. (GEA)

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Südwestpresse zum Sommerkonzert 2016

NWO in der Stadthalle

VON SUSANNE ECKSTEIN

 

Das „allerjüngste Reutlinger Sinfonieorchester“ lud zum Sommerkonzert: Unter Maria Eiche spielte das NWO so engagiert, dass zwei Zugaben fällig waren.

Bei diesem Programm mit Werken von Mozart, Respighi, Hindemith und Dvorák muss man sich erneut klar machen, dass im Nachwuchsorchester der Jungen Sinfonie (NWO) Schüler, ja Kinder, musizieren. Einige saßen mit ihrem Instrument wohl zum ersten Mal vor zahlreichem Publikum auf der Bühne im großen Saal der Stadthalle.

Rekordverdächtig war auch die Besetzung: 74 Stühle wurden gebraucht, allein die Streichersektion zählt derzeit etwa 60 Köpfe. Das spricht für Vertrauen seitens der Eltern und Instrumentallehrer; Orchesterleiterin Maria Eiche richtete ausdrücklich ihren Dank an sie, zudem an die Guthörle-Stiftung und die Gesellschaft der Musikfreunde Reutlingen, die dieses Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert.

Maria Eiche ist noch kein Jahr am Pult und hat die Truppe aus Zwölf- bis Neunzehnjährigen mit ihrem knappen und pointierten Dirigat gut im Griff. Von Anfang bis Ende herrschte höchste Konzentration, die Spieler waren ganz Auge und Ohr für die Musik und ihr Zusammenspiel. Zunächst für die Ouvertüre zu dem Singspiel „Der Schauspieldirektor“ von Wolfgang Amadeus Mozart; erstaunlich leicht und elegant wurde sie umgesetzt.

Es folgten Streicherstücke aus Ottorino Respighis dritter Suite der „Antiche Danze“. Durchsichtig und leichtfüßig wie auf Zehenspitzen die „Italiana“, sanglich die „Siciliana“ – beide auf leise Art beeindruckend in der akkuraten, sensiblen Ausführung und ihrer noblen Nostalgie.

Der angebliche Bürgerschreck Paul Hindemith hat 1922 – man glaubt es kaum – ein Weihnachtsmärchen namens „Tuttifäntchen“ komponiert. Darin erwachen Holzpuppen zum Leben und tanzen zu Ragtime-Musik. Dieser „Tanz der Holzpuppen“ führte das mit Mozart angeschnittene Thema Bühne weiter, in diesem Fall als etwas brav, doch sauber musizierte Tanzmusik. Besonderes Lob verdienen die sechs Solobläser, die klangschön zur großen Streichersektion kontrastierten.

Mit Antonin Dvoráks sogenannter „amerikanischer“ Suite op. 98b (nicht 89) ging Maria Eiche samt ihrem teilweise frisch besetzten Jugendsinfonieorchester ein gewisses Risiko ein. Für die Neulinge ist das kleine Schwesterwerk zur Sinfonie „Aus der Neuen Welt“ fast zu schwer. „Aber es macht ihnen Spaß“, betonte die Orchesterleiterin in der Pause, „und das zählt.“

In den Anfangstakten weckt die ungenau gestimmte Bläserintonation gewisse Befürchtungen – doch das gibt sich, die jungen Musiker(innen) hören gut hin und passen sich an. Zwar merkt man, dass die sinfonischen Sätze viel Arbeit gekostet haben, doch gerade das behutsame Herantasten und Hineinhören in die Strukturen lässt das Ohr eher am Innenleben der Musik teilhaben als eine routinierte Profi-Aufführung.

Zunehmend kommt das Spiel in Fluss; die rasch wechselnden Tanzrhythmen im dritten Satz („alla Polacca“) machen dem Orchester hörbar Spaß, im folgenden Andante kommt Lust an der klanglichen Differenzierung auf, ausdrucksvolle Oboensoli fordern eine entsprechende Tutti-Antwort. Der flotte Kehraus-Finalsatz hält zwar Gefahrenmomente bereit, wird aber mit viel Energie und opulentem Orchestersound gemeistert.

Eigentlich hatte das NWO ein größeres Programm mit einer Solistin geplant; diese war jedoch mitsamt Ersatz ausgefallen, so dass am Ende Zeit blieb für zwei Zugaben, die – gelöst und spielfreudig – dem anhaltenden Beifall des Publikums Rechnung trugen. (SWP)

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Sommerkonzert 2016 - Plakat

Plakat - Sommerkonzert 2016 am 17.07.2016 um 19:00
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Sommerkonzert 2015

Herbstkonzert am Sontag den 17. Juli 2016 um 19:00

Stadthalle Reutlingen - Großer Saal

Programm:

Wolfgang Amadeus Mozart

                Ouvertüre zur Oper "Der Schauspieldirektor"

Ottorino Respighi

                Italiana und Siziliana aus "Antiche Danze" Suite Nr. 3

Paul Hindemith

                Tanz der Holzpuppen

Antonín Dvořák

                Amerikanische Suite op. 89 b

Leitung

Maria Eiche

Eintritt frei!

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Südwestpresse zum Herbstkonzert 2015

Ein roter Taktstock für die Neue

VON SUSANNE ECKSTEIN

 

Ein großer Erfolg war das Herbstkonzert des Nachwuchsorchester (NWO) der Jungen Sinfonie unter der neuen Orchesterleiterin Maria Eiche.

Es ist ein Phänomen: Das Nachwuchsorchester der Jungen Sinfonie mit seinem steten Erneuerungsprozess. Derzeit verzeichnet es einen rekordverdächtigen Zulauf, Wartelisten mussten her, und die Orchester zählen (je nach Besetzung) über 60 Köpfe.

In dieser Situation mit zahlreichen "Neuen" den Dirigentenstab zu übernehmen, dürfte für die neue Orchesterleiterin Maria Eiche nicht einfach gewesen sein. Auch das Herbstkonzert-Publikum war bemerkenswert, der große Saal der Stadthalle war - bei freiem Eintritt gegen Spende - randvoll mit Familien und Freunden quer durch alle Altersklassen, Babies inklusive. An einem Musiker-Vater sollen gar rote Socken in der NWO-Farbe gesichtet worden sein. Und alle waren voll dabei, niemand klatschte an der falschen Stelle.

Den Anfang machten nach einer kurzen Ansage von Dirigentin Maria Eiche die Streicher. Nicht nur kopfzahlmäßig stark, sondern auch technisch-musikalisch: Tschaikowskis "Elegie für Streicher", 1884 als Dankesgruß an einen verdienten Schauspieler komponiert, musizierten sie mustergültig, mit einem Auge auf das klare und differenzierte Dirigat und einem wachen Ohr für Zusammenspiel, Feinabstimmung, Klang- und Ausdrucksnuancen; die Melodie wurde wie ein Juwel auf Watte getragen.

Nicht im Programm verzeichnet waren die Überraschungen, für die die Junge Sinfonie samt NWO berühmt-berüchtigt ist. Die erste bestand in der nachträglichen Verabschiedung des bisherigen Dirigenten Konrad Heinz, nicht nur mit der NWO-obligatorischen Rose, sondern auch einem gemeinsamen Kanon: "Lieber Konz" (nach Mozart); der ganze Saal sang mit.

Als Gast-Solistin am Flügel war Isabelle Haas dabei, Schülerin der Reutlinger Pianistin Angela-Charlott Linckelmann (ehemals Bieber) und Junge-Sinfonie-Geigerin(!). Ihr gelang eine einfühlsame und klangschöne Interpretation von Robert Schumanns "Introduktion und Allegro appassionato op. 92", einem kleinen Schwesterwerk des romantischen a-Moll-Klavierkonzerts. Hätte sie vielleicht mehr Dominanz und Kante zeigen sollen? Dadurch, dass sie sich (wie von Schumann komponiert) eng ins Orchesterspiel einbinden ließ, wurde ihre poetische Virtuosität streckenweise von dem weniger nuanciert aufspielenden Orchester überdeckt.

Doch man bedenke: Die Besetzung ist quasi neu und muss sich erst noch einspielen. Vor allem die Holzbläser haben noch an der Intonation zu feilen. Hat dafür die Zeit gefehlt? In Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 1 C-Dur, die den zweiten Teil des Konzerts bildete, fielen sie durch ungleiche Tonhöhen auf.

Die Bläser brauchen wohl generell noch Zuwendung, abgesehen von den beiden Trompetern, die ihre Sache hervorragend machten. Ansonsten war ein so stil- wie schwungvoller Beethoven zu erleben, von dem groß besetzten Klangkörper mit disziplinierter Begeisterung durchlebt, von Maria Eiche taktfest inspiriert und zusammengehalten. Den unvermeidlichen Schwierigkeiten wurde mit dem Geist des Aufbruchs, der der Partitur innewohnt, und frisch voran getriebener Bewegung mutig die Stirn geboten, vom Publikum am Ende mit Jubel quittiert. Nach Maria Eiches Dankesworten war längst nicht Schluss. Als weitere Überraschung trat nochmals Konrad Heinz auf die Bühne und überreichte ihr - was es nicht alles gibt! - einen Taktstock in leuchtendem NWO-Rot. Damit ließen sich gleich die zwei begeistert erklatschten (und gesungenen) Zugaben dirigieren. . . (SWP)

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